Halloween vs. Sankt Martin

Ich muß gestehen, zu meiner Kinderzeit haben wir über Halloween nichts gewußt. Für uns Pänz gab es nur ein Fest, an dem wir mit Laternen und Liedern von Haus zu Haus gezogen sind: Der St. Martinsumzug! Ein Highlight für uns! St. Martin auf seinem Pferd (in einen roten Mantel gehüllt), eine Musikkapelle und wir bei Dunkelheit mit unseren selbstgebastelten Laternen (wir hatten sogar echte Kerzen) singend hinterher. Der Schulpolizist war auch immer mit dabei und hat auf uns aufgepaßt, hat Straßen mit seinem Auto abgesperrt, bis wir wieder alle auf dem Schulhof waren. Dort haben wir gespannt der Mantelteilung zugesehen und anschließend ging es in kleineren Gruppen zum „gripschen“.

Wer ist überhaupt St. Martin?

An St. Martin wird an ein Ereignis von Martin von Tours gedacht. Einer Überlieferung nach soll er als Soldat, auf einem Pferd Richtung Stadttor geritten sein, als ihm ein frierender Bettler entgegenwankte. Martin hatte nichts außer seinem Schwert und einem Soldatenumhang. So nahm er sein Schwert und teilte den Mantel in zwei Teile. Einen Teil gab er dem Bettler, damit er ein wenig vor der Kälte geschützt ist. In der folgenden Nacht erschien ihm Jesus, mit den geteiltem Mantel. Das bestärkte ihn, den Militärdienst zu verlassen. Nach seinem Heerdienst wurde er Mönch und später zum Bischof geweiht. Als er zum Bischof gewählt werden sollte, versteckte sich Martin in einem Stall voller Gänse, weil er sich selbst eines Bischofs für unwürdig erachtete. Diese Gänse haben Martin durch ihr Schnattern „verraten“. Am 11. November 397 wurde Martin in Tour beigesetzt.

Wer oder was ist dieser „Halloween“?

Hier streiten sich sich Gelehrten. Fakt ist: Es ist der Abend vor Allerheiligen, den die irischen Einwanderer in Erinnerung ihrer Bräuche in Amerika weiter pflegten. Wie in fast allen Sagen, hat auch hier der Teufel seine Finger im Spiel gehabt. Der Bösewicht Jack Oldfield hat durch eine List den Teufel gefangen. Als Jack starb, durfte er weder in den Himmel, noch in die Hölle. Der Teufel schenkte ihm eine Rübe und eine glühende Kohle, damit er durch die Nacht wandern konnte.

In Amerika waren jedoch Kürbisse in Mengen vorhanden und so wurde anstatt der Rübe, der Kürbis kurzerhand zum Symbol für Halloween. Aus den frühen Verkleidungen von Ikonen aus Film und Buch sind heute Geister, Monster und Untote geworden. So angezogen ziehen die Kinden heute von Haus zu Haus und sammeln ihre Süßigkeiten ein. Im Gegensatz zu den vielen schönen Martinsliedern, sagen sie nur einen Satz: Süßes oder Saures! Das heißt, wenn Du keine Süßigkeiten verteilst, wird Dir ein Streich gespielt. Leider nehmen diese Streiche heutzutage ein Ausmaß an, das mit Spaß nichts mehr zu tun hat. Gucke Dir doch mal die „10 Gebote des Trick or Treats“ an.

Wann ist Halloween, wann ist Sankt Martin:

Halloween hat sich erst in den 90zigern in Europa verbreitet. Auf Grund des Golfkrieges 1991 wurden im ganzen Land alle Karnevalsumzüge abgesagt. Also nahm man den Herbsttermin als verspätete „Karnevalsparty“. Von da an läuft die „Deko-Maschinerie“ im Oktober auf Hochtouren. Überall findest Du meist orangefarbene Deko, „spezielle“ Halloween-Süßigkeiten und Verkleidungen in Hülle und Fülle.

Wenn im Rheinland die ersten Weckmänner im Fenster der Bäckereien liegen und die Restaurants „Martinsgans, nur mit Vorbestellung“ anbieten, ist die Martinszeit nicht mehr weit. Mmh, lecker!

Hole Dir doch mal wieder ein Stück dieser Kindheiterinnerungen zurück und besuche einen der vielen Sankt Martinszüge in Deiner Stadt. Gucke Dir wieder mal die leuchtenden Augen der kleinen Kinder an, wenn sie mit ihrer Laterne in der Hand vor einem Geschäft singen und dafür ihren Lohn in Form von Süßigkeiten bekommen. Du kannst es aber auch zu Hause erleben. Mache einfach Licht in Deiner Wohnung an. Dann wissen die Kinder, das jemand zu Hause ist und werden bestimmt vor Deiner Türe singen. Manchmal wird sich sicherlich auch noch schnell ein Kind der Gruppe anschließen und nur noch einen Satz mitsingen. Sei nicht so streng, ich denke das haben wir damals genau so gemacht.

Und wenn Du dann den ganzen Martinstrubel überstanden hast, kannst Du Dich mit einer Tasse Lipton Tee gemütlich auf die Couch setzen und davon träumen, wie Du damals mit Deiner Laterne durch die Straßen gelaufen bist.

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